Sonntag, 7. Juni 2015

Lesetipp: "Zorn" von Stephan Ludwig

Wenn man so viel liest wie ich es tue, dann freut man sich wie Bolle, wenn man eine neue Reihe entdeckt. Man findet ein Buch super und weiß, dass es noch weitere davon gibt, man also nicht erst warten muss bis Teil 2, Teil 3, etc. erscheinen. Man kann quasi nahtlos alle Teile hintereinander weg lesen. Der Lesespaß für die nächsten Wochen ist also gesichert. So ist es mir mit den Büchern von Stephan Ludwig über Hauptkommissar Claudius Zorn ergangen.









Die ersten beiden Teile der Reihe wurden bereits für MDR und ARD verfilmt. Der dritte Teil ist bereits abgedreht und soll 2016 ausgestrahlt werden. Ganz untypisch für mich, hat mir die Buchverfilmung der mir bis dato unbekannten Reihe so gut gefallen, dass ich Lust auf mehr bekommen habe. Das lag zum einem an der schonungslos erzählten Geschichte. Es ging um Kindesmissbrauch und die unverheilten Wunden, die der Missbrauch bei den inzwischen jugendlichen Opfern hinterlassen hat. Um Rache und Verzweiflung, ums „Lieben und Sterben“ (Titel Band 2). 

Vor allem aber wurde meine Begeisterung durch die beiden Hauptdarsteller, die Kommissare Claudius Zorn und „den dicken Schröder“ hervorgerufen. Zorn ist nämlich ein äußerst attraktiver, äußerst schwieriger und äußerst eigenbrötlerischer Mann. Genervt von seinem Job bei der Polizei in einer langweiligen Kleinstadt in der der Diebstahl eines Betonmischers zu den interessantesten Fällen gehört, macht er das was er am liebsten tut: die Füße hoch legen. Gerne kassiert er auch mal eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung. Die lästige Schreibtischarbeit überlässt er seinem Kollegen Schröder. Dieser nimmt ihm sowieso bereitwillig alle Arbeit ab. Schröder ist auf den ersten Blick dick, tollpatschig und langweilig. Man traut ihm nicht viel zu. Auf den zweiten, dritten und vierten Blick aber ein absolutes Juwel der eigentlich alles kann (tanzen, sechs Fremdsprachen fließend sprechen, zuhören und glasklar denken) und bei den Ermittlungen im Hintergrund alle Fäden zieht. Dieses ungleiche Pärchen erinnert ein wenig an Thiele und Börne aus dem Tatort und hat meiner Meinung nach Kultpotential.
 

Die Bücher sind mit viel Wortwitz geschrieben.
„Es war Anfang August, und es war schwül. Die Menschen duckten sich unter der Hitze, es schien, als hätte sich eine schmuddelige Herrensocke über die Gegend gebreitet“.

Die Dialoge oft lustig.
„Wir haben eine Leiche, männlich, circa sechzig Jahre alt«, begann Schröder, nachdem er sich umständlich geräuspert hatte. »Ungefähr eins fünfundsechzig groß und fünfundsiebzig Kilo schwer.« »Also ungefähr deine Statur.« »Ja«, nickte Schröder. »Aber das würde ich dem armen Mann nicht zum Vorwurf machen. Zorn trank einen Schluck Kaffee. »Das hatte ich auch nicht vor. Er ist tot, damit ist er genug gestraft.“

Die Fälle sind sehr spannend aber meiner Meinung nach ein wenig überkonstruiert. Es gibt immer viele Leichen, viel Blut und am Ende ein großes Showdown mit wahlweise sehr viel Regen oder einer Explosion. Wer das allerdings nicht ganz so ernst nimmt, wird mit den Zorn Büchern viel Spaß haben. 4 Bände sind bereits im Fischer Verlag erschienen. Der fünfte kommt im November 2015 in die Buchläden. Ich habe ihn mir schon vorbestellt.







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