Freitag, 3. Juli 2015

Adopt a dog


Das Foto ist von Robert Babiak/pixelio.de


Wir werden wieder Eltern! Nicht von einem Kind, davon haben wir schon genug, ein Hundejunge wird bei uns einziehen. Wir kennen uns noch nicht persönlich, aber natürlich bin ich schon jetzt ganz verliebt und furchtbar aufgeregt.  
Aber wie kommt Frau denn nun an einen Hund? Und was für ein Exemplar darf es denn sein? Zugegeben, es gibt schon Hunderassen, die ich richtig toll finde. Münsterländer, z.B. finde ich wunderschön oder auch die französischen Briards. Mein Lieblingsmann schwärmt für Entlebucher Sennenhunde würde aber auch einen Großen Schweizer Sennenhund nicht aus dem Garten jagen.

Nun ist es aber so, dass für uns der Gang zum Züchter nicht in Frage kommt. Es gibt einfach zu viele arme Hundeseelen, die in Tierheimen, auf der Straße oder noch schlimmer, in einer Tötung sitzen. So war es eigentlich von Anfang an klar, dass wir auch unseren zweiten Hund adoptieren und nicht kaufen würden.

Wer schon mal nach einem Tierschutzhund gesucht hat, weiß wovon ich spreche, wenn ich sage das Angebot an Hunden im Internet ist unendlich um nicht zu sagen unübersichtlich. Vereine und Tierschutzorganisationen zur Vermittlung von Hunden gibt es ebenfalls wie Sand am Meer und nicht zu vergessen sind die Tierheime in der eigenen Stadt oder der nahen Umgebung. Möglichkeiten nach einem Hund zu suchen gibt es also genug. Spätestens jetzt kommt auch das Thema Auslandstierschutz ins Spiel. Darf es denn auch ein Tier aus dem Ausland sein, wo doch in den deutschen Tierheimen genug Hunde auf ein neues Zuhause warten? Dazu muss man wissen, dass viele deutsche Tierheime ihre Plätze mit Hunden aus dem Ausland auffüllen. Diese Tiere verhelfen den Heimen zu einem besseren Image, sie sind oft jung und unproblematisch und locken viele Interessenten an. (Was nicht im Umkehrschluss heißen soll, dass die deutschen Abgabehunde in den Tierheimen allesamt schwierig sind. Auch unter ihnen gibt es genug Gold zu finden.)

Wenn ich mir die Situation in den überfüllten europäischen Tierheimen anschaue, ist die Frage ob es denn auch ein Hund aus dem Ausland sein darf, für mich schnell mit ja beantwortet. Oft sind die Hunde bei Wind und Wetter draußen, auch bei klirrender Kälte gibt es keine beheizten Hundehäuser, selbst für alte und kranke Hunde nicht. Eine große Anzahl von Hunden werden in engen Zwingern zusammengepfercht und von Abfallprodukten ernährt. Ehrenamtliche Gassigänger findet man so gut wie gar nicht und jeder weiß, dass vielen ein Ende in einer Tötungsstation droht.

Doch wie findet man denn nun den richtigen Hund?  Nachdem ich tagelang im Internet gesurft bin, in gefühlte tausend treue Hundeaugenpaare geschaut habe und hunderte von traurigen Schicksalen gelesen habe, war schnell klar. So wird das nichts. Erstens gefiel mir kein einziger Hund  - was aber mit Sicherheit noch an der Trauer über Femis Tod lag. Alle waren sie mir entweder zu schwarz, zu braun oder zu weiß. Der eine hatte zu lange Ohren, der nächste hatte die richtigen Ohren dafür starken Jagdtrieb und der dritte war zwar ganz süß aber irgendwie doch zu klein und nicht katzenverträglich.

Das Foto ist von Rica Lenz/pixelio.de
Zweitens hatte ich wenig Vertrauen zu den Beschreibungen der meisten Tierschutzorganisationen. Sätze wie, „steht den ganzen Tag weinend an der Käfigtür und wartet auf seine Menschen“ oder „wurde mit seinen Geschwistern in einer alten Decke im Müll gefunden und versteht die Welt nicht mehr“, ziehen bei mir einfach nicht. Ich brauche Fakten, auf die ich mich verlassen kann.
Also habe ich das Pferd von hinten aufgezäumt. Als erstes suchte ich mir eine Tierschutzorganisation meines Vertrauens. Das war glücklicherweise nicht schwer. Unsere ehemalige Hundetrainerin ist Tierschützerin aus vollem Herzen und betreibt zusammen mit ihrer Freundin einen eigenem Verein. Von ihrem Sachverstand konnten wir uns schon in der Hundeschule überzeugen. Ihr Verein Notfelle-ev  unterstützt in erster Linie Tierheime vor Ort. Vor Ort heißt in diesem Fall ein Tierheim in Ungarn und zwei Tierheime in Polen. Die Unterstützung läuft in Form von Sach- und Geldspenden, Kastrationsprojekten und anpacken vor Ort. Hundehütten aufbauen, Zwinger reparieren, einen Brunnen bauen oder Gehwege und  die Kanalisation ausbauen. Dafür fahren die beiden Frauen beinahe jedes Wochenende die weiten Strecken bis Ungarn oder Polen und das trotz Job, eigenen Hunden und Familie. Es geht ihnen einfach darum, die Lebensbedingen dieser armen Hunde zu verbessern, Da die Hunde dort kaum Aussicht auf Vermittlung haben, leisten sie zusätzlich auch noch Vermittlungshilfe. Ganz nebenbei wird in Polen auch noch ein benachbartes Kinderheim unterstützt.  Mittlerweile arbeiten das Tierheim und das Kinderheim zusammen, die Kinder freuen sich, wenn sie sich mit den Hunden beschäftigen dürfen und die Hunde freuen sich über die gemeinsamen Spaziergänge und werden so auch noch an Kinder gewöhnt.
Das Foto ist von Robert Babiak/pixelio.de
Als zweites habe ich mir überlegt, wie mein Hund denn eigentlich sein soll. Da ich mich auf lange Wanderungen freue, die ich mit meiner Femi  auf Grund ihrer Gelenkerkrankungen eigentlich nie machen konnte, und selber auch ziemlich sportlich bin, sollte es diesmal ein junger, agiler Hund sein. Außerdem wünschte ich mir einen seeeeehr sozialverträglichen Hund, der im günstigsten Fall auch schon Katzen und Kinder kennt. Wenn der Hund dann noch eine Schmusebacke ist, ist er eigentlich wie für mich gemacht. An das Aussehen hatte ich keinerlei Wünsche. „Wär schön, wenn ein bisschen Fell dran wäre“, war meine Aussage zur Optik. Die Fachfrau musste nicht lange überlegen und empfahl mir auf Grund meiner charakterlichen Wünsche einen Stoffhund von Steif schnell viel ein Name. „Der Hund passt zu euch. Ihr werdet es nicht bereuen.“

Ich zögerte keine Sekunde auch wenn mein Lieblingsmann behauptet, es wäre der hässlichste Welpe aus allen Würfen. Egal! Ich bin mir sicher, es ist der richtige. Und selbstverständlich werden wir wieder alles dafür tun, dem kleinen Kerl ein liebevolles, verantwortungsbewusstes und artgerechtes zu Hause zu bieten. Aber noch heißt es warten, warten, warten, …..






 






 



1 Kommentar:

  1. Hallo Patricia,
    ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und hab mich gerne dort umgesehen. Komme wieder :) Das mit der Sozialverträglichkeit kann ich nur unterstreichen, habe auch eine kleine Furie bei mir zuhause. Heute würde ich auch sehr viel überlegter auf "Hundesuche" gehen... Klar gibt es viele Hunde mit schlimmen Schicksal, aber wenn man einem Hund mit Geschichte ein zuhause gibt, muss man auch einiges in Kauf nehmen und die negativen Seiten werden von den Tierschutzorganisationen oft verschwiegen. Ich hätte mir von der Organisation mehr Untersützung gewünscht. Für sie war aber nach der Vermittlung alles erledigt und ich stand mit dem Problem alleine da. Die gute Frau meinte nur, dass lege sich bestimmt bald wenn man richtig streng "NEIN" sagen würde. Und als sie den Hund geholt hätten aus Rumänien wäre das alles noch gar nicht da gewesen... Danach hat sie sich nie mehr nach uns erkundigt. Ich glaube sie war froh, Pauline los geworden zu sein. Schön, dass ihr den richtigen Hund gefunden habt : ) Darf ich fragen, wir ihr die Leinenaggression damals in den Griff bekommen habt? Liebe Grüße, Anja und Pauline

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