Freitag, 28. August 2015

Clickern?-Nicht mit uns!


Viele sehr engagierte Hundebesitzer schwören ja auf das Training mit dem Clicker. Zugegeben, vieles spricht dafür. Aber bei uns kommt ein Clicker trotzdem nicht in die Tüte.




Für mich gibt es nichts Schlimmeres als schlecht erzogene Hunde. Wenn der Hund macht was er will, ist es für die Halter extrem nervig und ich glaube auch, dass die Hunde nicht besonders glücklich sind. Sie kennen keine Regeln, an denen sie sich orientieren können und die ihnen Sicherheit geben, wirken daher oft unsicher und nervös.

Zu einer guten Erziehung gehört auch, dass der Hund eine Reihe von Grundkommandos verlässlich ausführen kann. Ich spreche nicht davon, seinen Hund so abzurichten, dass er nur noch eng bei Fuß geht, keine eigenen Entscheidung mehr treffen darf und aufs Wort gehorchen muss. Aber ein einigermaßen sicherer Rückruf, ein verlässliches “Bleib“ oder ein „Guck mal“ in brenzligen Situationen erleichtert das Zusammenleben von Mensch und Hund schon ungemein.
Nun gibt es ja viele unterschiedliche Methoden, dem Hund die Bedeutung solcher Signalwörter klar zu machen. Mein Bücherschrank ist voll von Literatur zu diesem Thema und auch im Netz findet man viele gute und weniger gute Youtube Videos mit entsprechenden Trainingsanleitungen. Und auch die Hundeschulen haben ja ganz unterschiedliche herangehensweisen. Eine dieser vielen Trainingsmethoden ist das Arbeiten mit einem Markersignal, dem Click.
Die amerikanische Biologin Karen Pryor hat zum ersten Mal in den 1960ern ein Markersignal zur Erziehung von Delfinen eingesetzt. Pryor koppelte einen Pfiff, mit einer Futterbelohnung. Jedes Mal, wenn die Delfine das Pfeiffsignal hörten, bekamen sie direkt im Anschluss darauf einen Fisch. So wurden die Delfine auf das Signal konditioniert. Später wurde genau das Verhalten, welches die Delfine lernen sollten mit dem Pfiff markiert und anschließend belohnt. Damit ist das Grundprinzip des Clickertrainings auch schon erklärt. Auf richtiges Verhalten folgt ein Pfiff oder eben der Click und kündigt dem Tier eine Futterbelohnung an.  In den 80er Jahren hat Karen Pryor dann diese Art der Kommunikation auf die Arbeit mit Hunden übertragen und weltweit bekannt gemacht. Das Gute daran: der Hund bringt sich das richtige Verhalten quasi selber bei und diese Trainingsmethode funtkioniert ausschließlich durch positive Verstärkung.
Prinzipiell finde ich die Idee wirklich gut. Doch was mir dabei fehlt, ist die Emotion. Wenn auch gerade die fehlende Emotionalität als ein Vorteil in der Arbeit mit dem Clicker propagiert wird. Ich finde das doof! Und wenn ich das doof finde, kann mein Hund so auch nichts von mir lernen. Ich möchte ein begeistertes „toll“ von mir geben, wenn Cosmo es schafft, im „Bleib“ zu verharren  oder das erste Mal auf Zuruf in sein Körbchen geht. Ich möchte meine Freude auf den Hund übertragen und ihn meine Begeisterung spüren lassen. Mein Hund ist nun mal kein Delfin, er ist mein bester Freund und ich möchte ihn loben, was das Zeug hält. Was gibt es denn freudloseres als ein nüchternes eintöniges „Click“.
Mir ist klar, dass Cosmo nichts damit anfangen kann, wenn ich ihn zuquatsche und ihm ausführlich erkläre, wie toll ich es finde, dass er auf ein knackiges „zu mir“ tatsächlich den Hundekumpel links liegen lässt und freudig in meine Richtung rennt. Deshalb arbeiten wir mit einem Markerwort. Bei uns ist es das Wort „toll“. Natürlich kann es aber auch jedes andere Wort sein. Man sollte nur darauf achten, dass man es im täglichen Sprachgebrauch nicht auch andauernd benutzt. Immer wenn Cosmo etwas richtig macht oder sich richtig verhält, folgt mein begeistertes „toll“. Egal ob wir gerade ein neues Kommando trainieren oder er es schafft, mal nicht den Katzen hinterherzujagen. Cosmo hört mein „toll“ und weiß, das hat er gerade richtig gut gemacht.


Woher er das weiß? Genau wie beim Clickertraining habe ich das Markerwort erstmal als Kommunikationssignal aufgebaut. Ich habe mir ein ruhiges Plätzchen im Haus gesucht und mich mit ausreichend Leckerchen bewaffnet. Auf mein „toll“ bekam Cosmo unmittelbar im Anschluss sein Leckerchen. Das muss dann wirklich schnell gehen. Das Ganze habe ich ca. 15 mal wiederholt, also immer „toll“ und anschließend sofort Leckerchen rein in den Hund. Diese Übung kann man ruhig mehrmals am Tag machen. Später macht man das Ganze dann auch in nicht so reizarmer Umgebung wie dem Garten oder im Wald. Der Hund lernt wirklich ruckzuck, dass auf „toll“ ein Leckerchen folgt und schaut euch schon erwartungsvoll an, wenn ihr euer Markerwort sagt. Ab da kann man beginnen, richtiges Verhalten mit dem Markerwort zu markieren. Soll der Hund beispielsweise das Kommando „Sitz“ lernen, erfolgt ein „toll“ mit anschließendem Leckerchen sobald der Hundehintern den Boden berührt. So merkt der Hund schnell, dass dieses Verhalten gerade erwünscht ist. Klappt das, stellt man das Verhalten unter Signalkontrolle, d.h. man gibt dem Ganzen einen Namen, also in diesem Fall „Sitz“ und möglichst auch gleich das passende Handzeichen dazu. Dann „toll“ und Leckerchen. Ab da wird dann aber nur noch markiert, wenn man vorher den Befehl gegeben hat. Später darf es dann auch mal ein paar Sekunden länger dauern bis auf das „toll“ ein Leckerchen folgt, bis man es dann schließlich ganz weglassen kann. Aber wirklich erst dann, wenn das Kommando sicher gelernt und generalisiert ist, d.h. der Hund führt das Kommando nicht nur im heimischen Wohnzimmer, sondern auch im Garten, im Wald, im Park und in der Stadt aus. Natürlich kann man das Leckerchen später auch mal durch etwas ganz anderes ersetzen, ein Spiel, kraulen (falls der Hund das mag), den Ball werfen, etc..
Auf den ersten Blick könnte man meinen, mein Vorgehen ist eigentlich ein Clickertraining nur ohne Clicker. Im Großen und Ganzen finde ich das auch. Die Hardcore Clickerfraktion wird das aber sicherlich anders sehen. Der Clicker kann angeblich punktgenauer gewünschtes Verhalten markieren als ein Wort. Dieses Argument kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Das richtige Timing ist alles. Egal ob nun mit dem Clicker oder mit einem Wort. Nachvollziehen dagegen kann ich das Argument, dass der Clicker neutral ist, mein „toll“ aber nicht. Das stimmt. „Toll“ kann ich betonen, ich kann die Ls gaaanz lang ziehen, ich kann ein lautes und leises „toll“ sagen, manchmal klingt es besonders fröhlich, manchmal besonders stolz. Ein „click“ hört sich immer gleich an, nicht lauter oder leiser, länger oder kürzer. Allerdings hört sich mein „Sitz“ auch nicht immer gleich an und mein „zu mir“ erst recht nicht. Trotzdem wussten bisher alle meine Hunde immer was ich meinte. Und wenn man sich vor Augen hält, wieviele verschiedene Signalwörter ein Hund lernen kann und dass sich zum Beispiel „Sitz“ und „Platz“ akustisch gar nicht so sehr voneinander unterscheiden, kann auch mein „toll“ in Nuancen gerne mal anders klingen.




 Cosmo kennt die Bedeutung dieses Wortes, weiß wann es fällt und das er meistens ein Leckerchen darauf erhält. Und selbst wenn er kein Leckerchen bekommt, sehe ich sein Wohlbefinden beim Klang des Wortes. Mit „toll“ kann ich auch sein Verhalten lenken. Gerade mache ich das bei der Arbeit mit dem Futterdummy. Läuft er mit dem Dummy in meine Richtung und hört mein begeistertes „toll“, weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist (in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes).
Also warum mit einem albernen Knackfrosch durch die Gegend laufen, den man total überteuert im Tierfachhandel kaufen muss (früher gab es ähnliche Dinge für 20 Pfennig am Büdchen)? Ich würde das Teil sowieso andauernd zu Hause vergessen. Ärgerlich, wenn der Hund gerade dann endlich mal nicht laut kläffend an der Schafwiese vorbeigeht und man sein richtiges Verhalten doch so gerne klickern möchte. Klar, die ganz Harten sagen es dann einfach, das heilige Wort. Habt ihr schon mal erwachsene Menschen gesehen, die auf der Straße ihren Hund mit einem gaaaanz neutralen und sachlichen „click“ ansprechen? Ich schon.

Ne, ne. Der Cosmo und ich, wir lernen weiter clickerlos und fühlen uns richtig „toll“ dabei.







Kommentare:

  1. Ich finde eure Herangehensweise völlig legitim und kann es auch voll und ganz nachvollziehen. Wir arbeiten mit Milo selbst ohne Clicker und sogar größtenteils ohne Futterbelohnung (ausgenommen bei "Tricksereien") - denn Milo ist weder Futter- noch Spielzeugfixiert. Wir arbeiten hauptsächlich mit unserer Stimmlage, weil Milo mir in brenzlichen/aufregenden/stressigen Situationen die beste Fleischwurst vor die Füße spucken würde ;) Das ist sicherlich auch der Grund, warum er einfach länger braucht als andere. Schon als Welpe war es bei uns nicht so einfach von wegen "Click, Futter und toll". Wir mussten auch unseren eigenen Weg mit Milo gehen und konnten uns die "herkömmlichen" Hundeschulen/Trainer sparen.

    Ich finde, jeder muss seinen eigenen Weg gehen. So lange man an sein Ziel kommt und es dem Hund gut geht, ist es doch egal, wie man es erreicht ;)

    Gepunktete Grüße
    Katharina mit Milo

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    1. Hallo Katharina, ja ich finde auch, jeder muss seinen ganz eigenen Weg finden. Nur dann kann man Erfolg haben. Das ist ja nicht nur in der Hundeerziehung so sondern in allen Bereichen des Lebens. Ich stelle es mir ganz schön schwierig vor, einen Hund zu haben, der nicht so auf Futter abfährt. Das macht die Erziehung bestimmt nicht einfacher :-) auf der anderen Seite müsst ihr das Futter als Belohnung dann auch nicht mehr ausschleichen. Ich muss zum Beispiel da an mir noch arbeiten, da ich glaube ich zu viel und zu lange belohne.
      Herzlichst
      Patricia

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  2. Der Click ist das, was man selber draus macht. ;-) Wie du selber erklärst, markiert man mit dem Click (oder einem beliebigen anderen MarkerSignal) das richtige Verhalten und dann kann man vor Freude tanzen, wenn man das möchte und das dem Hund beim Lernen hilft :-D
    Der Clicker ist ein supertolles Hilfsmittel, aber nicht emotionslos.

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    1. Liebe Susan,
      danke, dass du noch mal darauf hinweist, dass man mit dem Click ja "nur" das richtige Verhalten markiert und erst dann das Lob folgt.
      Liebe Grüße
      Patricia

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  3. Der Click ist das, was man selber draus macht. ;-) Wie du selber erklärst, markiert man mit dem Click (oder einem beliebigen anderen MarkerSignal) das richtige Verhalten und dann kann man vor Freude tanzen, wenn man das möchte und das dem Hund beim Lernen hilft :-D
    Der Clicker ist ein supertolles Hilfsmittel, aber nicht emotionslos.

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  4. Da muss ich Susann recht geben. Der Clicker markiert nur ein Verhalten. Wie du dieses markierte Verhalten belohnst ist vom Hund und seine Vorlieben abhängig. Der Click entspricht im Prinzip dein Markerwort. Das hast du richtig erkannt. Wir benutzen beides. Gekostet hat er 1.95 auf ebay - ohne Versandkosten :) Albern finde ich das ganze auch nicht :)

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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    1. Liebe Dani,
      ja, nach dem Click kann man dann loben wie es Hund und Frauchen gefällt und dann ist das clickern auch nicht emotionslos.
      Ich sehe die Clicker schon mal im Tierfachhandel für nahezu 10 Euro rumliegen und denke mir dann immer was für eine Geldmacherei das ist. Schön, dass du so ein Schnäppchen gemacht hast :-)
      Liebe Grüße
      Patricia

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  5. Da muss ich Susann recht geben. Der Clicker markiert nur ein Verhalten. Wie du dieses markierte Verhalten belohnst ist vom Hund und seine Vorlieben abhängig. Der Click entspricht im Prinzip dein Markerwort. Das hast du richtig erkannt. Wir benutzen beides. Gekostet hat er 1.95 auf ebay - ohne Versandkosten :) Albern finde ich das ganze auch nicht :)

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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