Sonntag, 2. August 2015

Vom Loslassen

Wenn alles gut läuft, kann man die Leine auch mal los lassen!

Das Thema Loslassen beschäftigt mich in den letzten Tagen ganz besonders. Und zwar im doppelten Sinne des Wortes! 

Für mich ist das Thema wahrlich nicht neu. Jeder der Kinder hat, weiß, dass man diese irgendwann mal loslassen muss, damit sie wachsen und sich zu eigenständigen und selbstbewußten Persönlichkeiten entwickeln können. Besonders die Einsicht, dass man sie nicht vor allen Gefahren und allem Übel der Welt beschützen kann, ist schwer aber wichtig. Loslassen musste ich z.B. auch vor einigen Wochen meine todkranke Hündin. Das war schwer, aber für sie das Beste.

Ab morgen muss ich wieder loslassen. Mein „Hundeerziehungsurlaub“ ist zu Ende und in der nächsten Woche wird der Lieblingsmann erstmal das Ruder übernehmen. Auch in Zukunft wird Cosmo nicht jede Minute mit mir verbringen können.  Es wird Tage geben, da kann er nicht mit ins Büro und ab und an möchte ich auch mal mit dem Lieblingsmann alleine verreisen.  Heute morgen habe ich mich schonmal im Loslassen geübt, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Aber eins nach dem anderen.

In den letzten beiden Wochen habe ich jede Minute mit dem kleinen Cosmo verbracht. Wir haben die ersten Grundkommandos geübt, gerauft und gerangelt. Wir sind um die Wetter gerannt, haben Ängste überwunden, fremde Hunde und neue Menschen kennengelernt und stundenlang geschmust. Kurzum wir sind jetzt dicke Freunde. Das hat zum einen zur Folge, dass der kleine Kerl ein großes Problem hat, wenn ich außer Sicht bin und auch er also das Loslassen lernen muss. Zum andern habe ich ehrlich gesagt auch noch keine Ahnung, wie ich die Stunden im Büro ohne die kleine Zuckerschnute rumkriegen soll. Hier bin ich also an der Reihe mit dem Loslassen.

Der arme Lieblingsmann tut mir schon jetzt furchtbar leid. Schließlich weiß ich natürlich alles viel besser *hüstel*, habe eh viel mehr Ahnung *hüstel, hülstel*, kenne den kleinen Kerl schon viel näher als er (was allerdings stimmt) und bin ja sowieso der Hundeprofi unter der Sonne *dreimal hüstel*. Also muss sich der arme Mann schon seit Freitag von morgens bis abends meine Anweisungen, gutgemeinten Tipps und furchterregenden Warnungen anhören.
„Achte darauf, dass der Kleene alle 4 Stunden pinkeln muss, lass die Leine nicht zu lang aber auch nicht zu kurz, bitte nicht zu viele Leckerchen geben, bitte nicht zu wenige Leckerchen geben, frag bitte vor jedem Hundekontakt, ob der Hund auch wirklich verträglich ist, pass auf Hund xy auf, der ist nicht nett, pass besser auch auf Hund z auf, der ist auch nicht nett, denk an die Heilerde über dem Futter, bitte zieh ausser dem Geschirr auch das Halsband an, da steht unsere Telefonnummer drauf, rufst du mich zwischendurch mal an, rufst du mich jede Stunde einmal kurz an.“ Ich bin gespannt, ob der Lieblingsmann morgen noch da ist. Falls nicht, verübeln könnte ich es ihm nicht.

Heute ist mir das Loslassen allerding schon gelungen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Losgelassen habe ich nämlich zum ersten mal die Leine. Die hat in den letzten Tagen schon öfter mal beim Toben mit Hunden, die wir unterwegs getroffen haben, gestört.

Stolz wie Oskar!
Heute Morgen sind Cosmo und ich also schon gaaaaaanz früh runter zur Wupper gegangen. Keine Menschenseele war unterwegs. Weil die kleine Zuckerschnute ganz verrückt nach Wasser ist und darin rumspringt wie eine kleine Bergziege, habe ich die 10 Meter Schleppleine drangemacht. Doch selbst die störte im Wasser einfach. Weil Cosmo unterwegs sowieso ständig Blickkontakt zu mir aufnimmt, sich sehr an mir orientiert und freudig immer wieder zu mir läuft wenn ich ihn rufe und mindestens genausoviel Angst hat, dass ich ihm abhanden komme wie umgekehrt, habe ich es also getan. Ich habe den Karabiner gelöst und die Leine einfach fallen lassen. Die Dramatik dieses Augenblichks kommt hier vielleicht nicht so rüber, für uns zwei Schisshasen war das jedenfalls ein großer Schritt. Und ich kann euch sagen, es war toll. Im Wasser und auf der großen Wiese toben geht ohne Leine eh viel besser. Cosmo ist auf jedes „zu mir“ direkt auf mich zugestürmt und wir beide waren so glücklich und furchtbar stolz auf uns.


Hier ist mir fast das Herz stehen geblieben!


 

Nach Hause ging es dann vorsichtshalber erstmal wieder mit der langen Schleppleine am Geschirr. Die brauche ICH im Moment noch zur Beruhigung. So ganz loslassen kann ich wohl doch noch nicht :-)








Kommentare:

  1. Ich habe mich so sehr in diesem Text wiedergefunden, liebe Patricia. Am Anfang konnte ich die Leine auch einfach nicht loslassen, es hat über 4 Wochen gedauert, bis ich Moe das erste Mal losgelassen habe. Und dabei hat er sich von Anfang an an uns orientiert. Es war einfach nur meine Angst, die mir da im Weg stand.

    Ihr seid ja auf einem guten Weg und alles andere macht die Zeit. Schön, dass Cosmo sich so toll einlebt!

    Viele Grüße
    Nicole

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  2. Danke, liebe Nicole. Ich bin wirklich froh zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, der das Loslassen so schwer fällt :-)

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