Mittwoch, 16. September 2015

Alleine bleiben will gelernt sein

Nur die wenigsten Hunde haben das Glück von morgens bis abends mit Herrchen oder Frauchen zusammen sein zu können. Die meisten müssen wenigstens ab und an mal für ein paar Stunden alleine zu Hause bleiben. Für Cosmo und mich war das anfangs alles andere als einfach. Am Ende haben wir es dann aber doch noch geschafft.

Bevor wir uns dazu entschieden haben einen Hund in unsere Familie aufzunehmen, war uns eigentlich klar, dass dieser auch mal stundenweise alleine zu Hause bleiben muss. Die Kinder gehen zur Schule oder an die Uni. Der  Lieblingsmann und ich sind beide berufstätig. Zwar arbeitet Herrchen auch tageweise zu Hause und ich nur in Teilzeit mit der Möglichkeit den Hund auch mal mitzubringen, doch es war klar, dass es auch Zeiten gibt, an denen der Hund ohne uns auskommen muss.

Älteren Hunden fällt das Alleine bleiben oft leichter

Unter anderem aus diesem Grund haben wir uns damals für einen älteren Hund entschieden. Femi war ein sehr ruhiger Hund, schon ca. 8 Jahre alt und strahlte eine große Selbstsicherheit aus. Für sie war das Alleinebleiben überhaupt gar kein Problem. Ich glaube, ihr war es eigentlich egal. Sie schlief viel und schien die Ruhe zu genießen. Wenn wir nach Hause kamen, freute sich sich, aber nicht überschwänglich. Von Verlassensängsten keine Spur.

Ganz anders war es bei unserem Jungspund Cosmo. Der Kleine wurde zusammen mit seinen Geschwisterchen als Welpe einfach ausgesetzt, hatte also schon einmal seine Eltern verloren. Als er mit sieben Monaten bei uns einzog, habe ich mir die ersten Wochen viel Zeit für ihn genommen und war rund um die Uhr für ihn da. Anscheinend war ich seine erste richtige Bezugsperson. Er folgte mir auf Schritt und Tritt und ließ mich nicht aus den Augen. In Ruhe duschen? Pustekuchen! Mal ungestört im Keller eine Maschine Wäsche anstellen? Denkste! Selbst wenn am Wochenende der Lieblingsmann zu Hause war und ich mich alleine auf den Weg in den Supermarkt machte um endlich mal unsere Vorräte aufzufüllen, war das Hundegeheule groß.

Wo seid ihr denn alle?

Da ich ja nun nicht ewig Urlaub hatte, einige außerhäusige Termine anstanden (wer will schon seinen Hund mit zum Arzt oder Friseur nehmen) und ich überhaupt der Meinung bin, dass ein Hund auch in der Lage sein muss, mal alleine bleiben zu  können, damit er ein selbstbewusster Hund werden kann, wurde ich langsam etwas nervös.

Von nun an wurde das Alleinsein geübt und zwar mit ganz viel Verständnis, Herz und einem Plan. Dazu schaute ich noch mal in alle meine Hundebücher und auf den Blogs meiner Bloggerkolleginnen nach, was ich zum Thema „Hund alleine zu Haus“ so alles fand. 

Für den Hund geht es um Leben und Tod

Ganz wichtig war für mich, Verständnis zu entwickeln, warum es  für Cosmo eigentlich so schlimm war, mich aus den Augen zu verlieren. Der Hund verfällt ja nicht aus böser Absicht oder gar Ungehorsam in einen panikartigen Zustand und beginnt zu bellen, zu jaulen und/oder an der Tür zu kratzen was das Zeug hält. Es ist pure Angst. Eigentlich fast Todesangst. Der Hund ist noch klein und kann sich nicht alleine versorgen. Er ist auf mich angewiesen um zu überleben (denkt er jedenfalls), denn ich versorge ihn mit Futter und Wasser. Und ich bin jetzt auf einmal nicht mehr in Sicht.  Dass ich ganz sicher immer wieder komme, weiß er nicht. Er muss es erst noch lernen.

Ich warte auf euch!

Mit diesem Wissen fällt es viel leichter Verständnis für das Gejaule und Gebelle zu entwickeln und Gelassener darauf zu reagieren. Auf keinen Fall darf man mit dem Hund schimpfen, böse auf ihn sein oder ihn gar bestrafen.
Ganz wichtig war mir außerdem, dass der Hund nicht in Panik gerät und am Ende überhaupt nicht mehr alleine sein kann. Daher ging ich wirklich in ganz kleinen Schritt vor. Meine Geduld war gefragt, ich stellte mich auf einen längeren Prozess ein.

Erstmal ein paar „bauliche“ Vorkehrungen treffen

Zunächst sorgten wir mit einem Treppenschutzgitter für Kinder dafür, dass Cosmo mir nicht mehr durchs ganze Haus folgen konnte. Sein Revier im Haus war damit tagsüber auf das Erdgeschoss begrenzt. Ich denke, damit habe ich auch seinen noch im Wachstum befindlichen Knochen einen Gefallen getan. Viele sagen ja, dass der Hund im ersten Lebensjahr möglichst wenig Treppenlaufen soll. Cosmo fand das überhaupt nicht witzig und versuchte wahlweise unter oder über das Gitter zu gelangen (was ihm im Übrigen einige Wochen später auch gelungen ist). Ausserdem bauten wir die Tür zu unserer Küche wieder ein. Die hatten wir nach dem Einzug rausgenommen, weil es uns einfach ohne Tür besser gefiel. Somit hatte ich also die Möglichkeit auch mal Raum ohne Cosmo zu haben bzw. ihn einfach mal vor der geschlossenen Tür zu lassen.

Kommst du gleich wieder runter?

Geht in kleinen Schritten vor
Zunächst fing ich an in den Keller oder die Küche zu gehen und die Tür hinter mir zu schließen. Ich habe überhaupt kein Wesens über meinen Weggang gemacht, d.h. keine großen Verabschiedungszeremonien, kein mitleidiges „ich bin ja ganz schnell wieder da mein Schatz“. Ich war einfach weg. Und das nur ganz kurz. Am Anfang waren es wirklich nur wenige Sekunden (etwa 10 bis 30). Dann bin ich wieder reingekommen und habe Cosmo, der sich vor Freude fast umgebracht hat, total ignoriert. Das war wirklich mit das Schwerste. Es ist ja auch wirklich herzerwärmend, wenn der Hund sich aufführt als wäre man Jahre weg gewesen und es an ein Wunder grenzt, dass man nun wohlbehalten plötzlich wieder aufgetaucht ist. Zur Erinnerung: ich war nie mehr als 30 Sekunden außer Sichtweite.

Bevor ich die Tür wieder aufgemacht habe und zurückgekehrt bin, habe ich immer darauf geachtet einen Moment abzupassen in dem Cosmo sich ruhig verhält, also nicht gejault oder gebellt hat. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Hund der Meinung ist, es wäre seinem Gejaule zu verdanken, dass man wieder gekommen ist. Damit würde das unerwünschte Verhalten also noch verstärkt.
Erst als das richtig gut geklappt hat, d.h. Cosmo es geschafft hat, 30 Sekunden ohne mich auszukommen ohne sich in irgendeiner Form aufzuregen, habe ich die Zeiträume meiner Abwesenheit verlängert. Anfangs noch in 10 Sekundenintervallen, später dann minütlich. 

Bevor ich aber nun endgültig für etwas längere Zeit das Haus verlassen habe, wollte ich natürlich wissen, ob Cosmo bellt oder weint, wenn ich nicht nur einfach in einem anderen Zimmer bin. Ich schnappte mir also allabendlich den Lieblingsmann und das Feierabendbierchen wurde nicht mehr gemütlich auf der Terrasse eingenommen, sondern auf dem „Dürpel“, wie man bei uns sagt. Für alle die nicht aus dem Bergischen Land kommen, der Dürpel ist der Platz direkt vor dem Haus, etwa wie der Bürgersteig.


Super, wenn Hunde so entspannt alleine bleiben können.

Hört auf euer Bauchgefühl

Hier verlängerten wir den Zeitraum jeweils um 5 Minuten bis ich mir schließlich sicher war: Cosmo kann alleine bleiben, er hat gelernt, dass wir immer wieder kommen. Ich glaube ihr könnt euch hier auf euer Bauchgefühl verlassen. Ihr werdet schon merken, wann euer Schatz so weit ist, jetzt müsst nur noch ihr soweit sein. Ich weiß, dass das für viele Frauchen schlimmer sein kann als für den Hund.
Solltet ihr also gerade einen Welpen, Junghund oder einfach einen neu eingezogenen Vierbeiner bei euch zu Hause haben, der euch die Ohren zuheult, nur wenn ihr mal eben Brötchen kaufen wollt, denkt daran: alleine bleiben will gelernt sein. Es gibt nur sehr wenige Hunde, die aus irgendwelchen Gründen nicht alleine bleiben können. 

Mehr als vier bis fünf Stunden sollte allerdings kein Vierbeiner auf Herrchen oder Frauchen warten müssen.







Kommentare:

  1. Ein zu Herzen gehender Artikel. Viele Hunde haben mit dem alleine sein ein Problem. Unser Charly hat zum Glück schnell verstanden, dass wir immer wieder nach Hause kommen. Wir haben auch mit wenigen Minuten begonnen und langsam gesteigert.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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    1. Liebe Sonja,
      ja es ist mir anfangs wirklich zu Herzen gegangen, den kleinen Kerl alleine zu lassen. Super, dass eurem süßen Charly das gar nicht so schwer gefallen ist. Man hat ja dann doch mehr Ruhe, wenn man weiß, der Hund ist gelassen.
      Liebe Grüße
      Patricia

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  2. Liebe Patricia,

    auch wir haben vorab getestet, ob Moe wirklich alleine sein kann. Nämlich indem wir uns in den Flur unseres damaligen Wohnhauses gestellt und gewartet haben. Und erstaunlicherweise: Moe hatte von Anfang an kein Problem damit, alleine zu Hause sein. Trotzdem möchte er uns in der Wohnung gerne bis aufs Klo folgen, was wir natürlich unterbinden.
    Beim ersten Einkauf war ich diejenige, die sich super beeilt hat, weil ICH ein Problem mit dem Alleinsein von Moe hatte- nicht er. Moe hat gepennt. Auch das zweite Mal alleine lassen, was wir mit einer Kamera aufgenommen haben, war kein Problem. Erst danach konnte ich mit einem guten Gefühl auch mal länger weg bleiben, ins Kino gehen etc. Aber alles nach und nach. Und trotzdem bin ich froh, von zu Hause arbeiten zu können und die meiste Zeit mit Moe zusammen sein zu können - aber wer wäre das nicht. ;-)

    Super, dass ihr das so gut gemeistert hat - auch wenn ihr nun eine Tür mehr habt, die da eigentlich nicht sein sollte - aber die ist sicher nur vorübergehend.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. hallo Nicole, ja ich habe deinen Post über das allein lassen gelesen und sehr gelacht, als du beschrieben hast, wie du dich beim Einkaufen beeilt hast. Ich glaube auch, dass nicht nur der Hund sondern auch der Halter das alleine lassen übern müssen. Auf die Idee mit der Kamera bin ich gar nicht gekommen. Das würde mich auch mal interessieren, was Cosmo so in meiner Abwesenheit macht. Du hast es wirklich gut, dass du den ganzen Tag bei Moe sein kannst. Ich würde auch gerne von zu Hause aus arbeiten obwohl ja auch das durchaus seine Tücken hat und nicht weniger stressig ist, als ausser Haus zu arbeiten. Aber man hat seinen Vierbeiner halt immer bei sich und Hundi darf auch noch in seiner gewohnten Umgebung bleiben :-)

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  3. Ich bin so froh, dass es für Lilly nie ein Problem war alleine zu bleiben und sie das quasi nebenbei gelernt hat. Vielleicht lag es auch an Finja, so war Lilly in den ersten Monaten nie ganz alleine. Ich kann mir aber vorstellen, dass es sehr nervenaufreibend sein kann, wenn der Vierbeiner unter richtiger Trennungsangst leidet. Zum Glück habt ihr das gut in den Griff bekommen und Cosmo kann entspannt Zuhause ein Schläfchen machen, während ihr euren Terminen nachkommt :-)

    Liebste Grüße

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    1. Liebe Ricarda, da hast du aber wirklich Glück gehabt, dass deine Lilly das alleine bleiben so neben bei gelernt hat. Ich kann mir vorstellen, dass das nebenbei lernen auch wirklich gut klappt, wenn man keinen Zeitdruck hat. Ich hatte eigentlich eine richtige deadline und obwohl ich Cosmo meistens mit ins Büro nehmen kann, muss er auch dort mal kurze Zeit ohne mich auskommen. War Finja ein Zweithund? Das finde ich auch total interessant, dass es für Hunde mit einem anderen Hund im Haus einfacher ist. Unsere Katzen z.B. können Cosmo überhaupt nicht trösten.
      Liebe Grüße
      Patricia

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  4. Liebe Patricia,

    wir hatten bei den meisten unserer Hunde wirklich viel Glück mit dem "Allein-Sein" ... erst bei Cara brauchten wir dafür Training und auch viel Geduld. Obwohl sie ja nie wirklich alleine war, denn Damon war immer bei ihr - sie hat so einiges angestellt und das in manchmal Bruchteilen von Sekunden. Aber mit viel Üben und Geduld haben wir es auch bei ihr geschafft und haben mittlerweile auch einen entspannten Hund wenn wir mal für einige Stunden nicht da sein können.
    Erstaunlicherweise hat es im Büro schon von Anfang an viel besser geklappt mit dem alleine bleiben ... obwohl da auch nichts anders gemacht wurde als daheim :)

    Dein Artikel ist wirklich schön geschrieben und hat mir gut gefallen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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  5. Hallo Isabella,
    danke für deinen Kommentar. Das ist wirklich erstaunlich, dass es im Büro besser geklappt hat als zu Hause. Manchmal steckt man da wirklich nicht drin! Schön, dass du deine zwei Süßen auch mit ins Büro nehmen kannst und trotzdem auch einen entspannten Hund zu Hause hast, wenn mal keiner da ist. Das finde ich auch total wichtig.
    Liebe Grüße auch an Damon und Caro
    Patricia

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