Freitag, 13. November 2015

Gut erzogen - was heißt das eigentlich?

 Ist mein Hund eigentlich gut erzogen oder etwa gar nicht und bedeutet Erziehung für jedes Hund- und Halterteam das gleiche?

Gib Pfötchen!




 Wenn ich mit Junghund Cosmo auf Freunde oder Bekannte treffen, höre ich oft die Frage: „Was kann er denn alles schon?“. Ich berichte dann gerne sehr ausführlich etwa Folgendes: Cosmo kann schon ganz entspannt Bus fahren, er bellt nicht mehr, wenn wir am Tisch sitzen und essen, er legt sich im Büro lieb unter meinen Schreibtisch, er traut sich mittlerweile an allen Menschen, Motorrädern und Fahnen selbstsicher vorbei zu gehen und ignoriert Jogger und entgegenkommene Spaziergänger auch im Freilauf. Ich bin dabei stolz wie die Mutter eines Nobelpreisträgers und blicke verliebt auf meinen Cosmo, der in der Regel gerade mal wieder einen Schuh geklaut oder das Altpapier zerlegt hat entspannt zu meinen Füßen liegt.

Menschen, die selber Hunde haben, verstehen genau was ich meine, nicken wissend, bestätigen mich in meinem tun, kurzum, sie wissen, das ist richtig gut. Menschen ohne Hund, die Armen, gucken mich oft stirnrunzelnd an und sagen dann, solche Dinge wie, „Ja, ich meinte kann er denn schon Sitz , Platz und Pfötchen?“ Offensichtlich messen sie daran, ob der Hund gut erzogen ist oder nicht.
Warten auf ein Belohnungsleckerli.
Ich persönlich finde, das es keine so große Kunst ist, dem Hund solche Kommandos beizubringen. Wenn man es richtig macht und ordentlich übt, begreift der Hund doch wirklich schnell, was wir von ihm wollen. Natürlich ist es wichtig, dass Hundchen und Frauchen oder Herrchen über ein gewisses Repertoire an Kommandos verfügen. Grundgehorsam erleichtert das Zusammenleben von Hund und Mensch doch ungemein, schafft Sicherheit auf beiden Seiten und hilft dem Hund entspannt und selbstsicher zu werden. Doch unter Erziehung verstehe ich dennoch viel mehr.

Ich persönlich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, von fremden Hunden angesprungen zu werden. Auch wenn das Anspringen vom Hund als freundliche Geste gemeint ist, bitte nicht mit mir. Daher war klar, dass Cosmo schnell lernen musste „ Menschen anspringen ist nicht“. Er wurde von uns nur begrüßt, wenn er alle Viere auf dem Boden hatte und schon nach wenigen Tagen war die Sache gegessen.

Zu fremden Menschen im Wald hinlaufen und diese womöglich auch noch anbellen? Nicht mit mir. Also musste Hundi lernen Fremde zu ignorien. Jogger und Radfahrer sind natürlich auch tabu, obwohl ich der Meinung bin, dass vor allem Radfahrer auch noch viel an ihren Umgangsformen arbeiten müssen. Rücksichtsloses durch den Wald heizen, finde ich auch nicht gerade höflich.

Cosmo hat anfangs gebellt so bald wir am Tisch saßen und gegessen haben. Er musst erst lernen, dass er sich während unserer Mahlzeiten in sein Körbchen oder wenigstens ruhig unter den Tisch legen muss. Seit er das gelernt hat, darf er auch immer mit ins Restaurant. Denn er weiß wie er sich dort benehmen muss.

Gut erzogene Hunde genießen viel Freiheit.
Sich vor dem Essen kurz hinsetzen und auf mein „Nimms dir“ warten, bis er in einer zehntel Sekunde sein Futter aufsaugt, welches ich ihm mühevoll zu bereitet haben. Gehört für mich zu höflichen Umgangsformen und schult nebenbei auch noch die Impulskontrolle, schließlich warte ich auch mit dem Essen bis alle sitzen, auch wenn mir das Wasser im Mund zusammen läuft.

Und dann gibt es auch noch Verhaltensweisen, die unsere Hund können sollte, weil sie im Ernstfall lebensrettend sein können. Nicht einfach unkontrolliert und selbstständig aus der Haustür oder dem Auto springen zum Beispiel, nicht einfach auf jeden Hund zulaufen und im besten Fall kommen, wenn Herrchen oder Frauchen rufen.


Hundeerziehung geht also weit über das Befolgen von Kommandos hinaus und gute Erziehung kann für jeden Halter anders aussehen. Es kommt auch immer auf die Lebensumstände an und ob wir mit unseren Hunden auf dem Land oder in der Stadt wohnen oder darauf, was wir eben von unseren Hunden erwarten möchten.

Juhuu! Meine Leute haben mich erzogen.
Wer jetzt glaubt ich hätte den perfekt erzogenen Hund, der kann sich entspannt zurücklegen. In den gut drei Monaten, in denen Cosmo bei uns ist, haben wir zwei zwar schon eine Menge gelernt, aber die Liste der Dinge, die wir noch üben müssen, ist noch tausendmal länger und wird sich sicherlich auch immer mal wieder ändern, genau wie unser Leben eben. Erziehung hört eben nie auf, doch je besser der Hund erzogen ist, desto mehr Freiheiten kann er auch genießen und uns entspannt fast überallhin begleiten. Und das sind doch gute Aussichten, oder?



*Die Fotos sind von pixelio v.o.n.u. Iris Klauenberg, Andrea Weldel, A.S. und Anai*




Kommentare:

  1. Liebe Patricia,

    ich habe Deinen Beitrag mit Freude gelesen und kann Dir nur zustimmen. Wann ein Hund gut erzogen ist, können nur die Halter entscheiden, die wissen, was ihr Hund - entsprechend ihren Lebensumständen - können sollte. Zudem glaube ich auch, dass die Erziehung nie aufhört. Wir erleben es mit Socke, dass Dinge, die schon mal gut liefen, irgendwann nicht mehr funktionieren.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    AntwortenLöschen
  2. Wir stimmen dir voll und ganz zu! Jeder hat andere Ansprüche. Bei uns ist Umweltneutralität ein ganz großes Thema.

    Die Bilder sind übrigens sehr schön!

    Francis & Ilari

    AntwortenLöschen
  3. huhu liebe patricia,
    da ist was wahres dran. was "gute" erziehung bedeutet, liegt halt immer im auge des betrachters. ich freue mich über jeden kleinen fortschritt, den wir machen, während ich von anderen (auch von anderen hundehaltern) oft belächelt werde.
    ich habe letztens irgendwo gelesen, wer einen hund erziehen will, muss vor allem auch an seinem eigenen selbstbewusstsein arbeiten. und das stimmt...in mehrfacher hinsicht. denn man darf sich nicht von falschen erwartungen herunterziehen lassen und muss selbstbewusst seinen weg gehen.
    nicht immer so einfach, finde ich. ^^
    liebe grüße, kathy

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Kathy, da hast du völlig Recht. Als Hundehalter muss man schon ganz schön selbstbewusst sein und darf sich nicht von anderen Hundehaltern verunsichern lassen. Bei mir hat das lange gedauert, mittlerweile weiß ich aber was ich will und kann. Das hilft ungemein. Dir ebenfalls weiterhin viel Erfolg bei der weiteren Hundeerziehung. Es hört ja nie auf....:-)
    Herzlichst
    Patricia

    AntwortenLöschen