Mittwoch, 16. Dezember 2015

Frieden im Wald


Ich wünsche mir Frieden. Dabei bin ich gar nicht so anspruchsvoll, denn ich rede nicht von Frieden auf Erden oder gar Weltfrieden. Nein, ich wünsche mir Frieden im Wald.

Ich bin jeden Tag mindestens einmal im Wald. Der Wald ist für mich noch einer der wenigen stressfreien Orte, in dem ich zu Ruhe komme und inneren Frieden finden kann. Kein Verkehrslärm, kein Telefon, keine Mails, kein gar nichts. Hier kann ich mich entspannen, nachdenken, abschalten, mit Cosmo rennen und toben oder einfach mal innehalten. Wenn es gut läuft, sind wir unter uns oder treffen freundliche Menschen mit freundlichen Hunden. Dann können die Hunde ein wenig spielen und toben und ich unterhalte mich mit den Menschen. Manchmal setzen wir unsere Runden gemeinsam fort, manchmal auch nicht.


Der Wald ist auch nicht mehr das, was er mal war
Doch in letzter Zeit habe ich öfters ein komisches Bauchgefühl, wenn ich in den geliebten Wald gehe. Zu oft hatten wir unschöne Zusammentreffen mit Menschen, die den Wald eigentlich auch nur, genau wie wir, für sich nutzen wollen, nur eben anders. Und dabei habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass sich verschiedene Fronten bilden, und dass diese sich verhärten.

Die Mountainbiker
Da wären zunächst einmal die Mountainbiker. Oft rasen sie in hoher Geschwindigkeit auf engen Waldwegen. Sie heizen rücksichtslos um die Kurven, manchmal kommen Sie sogar aus dem Unterholz geschossen. Es ist ihnen ganz egal ob hinter der Kurve Spaziergänger, Hunde oder kleine Kinder gehen. Eine Fahrradklingel scheinen sie alle nicht zu besitzen, wahrscheinlich ist die uncool am sportlichen Lenker. Von der Setz- und Brutzeit haben Sie auch noch nie etwas gehört. Während wir im März bis Juni unsere Hunde anleinen müssen, damit wir die Jungtiere im Wald nicht stören, machen sie nach dem langen Winter ihre Fahrräder fit und starten endlich wieder richtig durch. Schließlich hat sich ja eine Menge Energie angestaut.
Ich erschrecke mich jedes Mal, wenn sich ein Biker lautlos in Höchstgeschwindigkeit von hinten nähert. Wenn ich Glück habe und sie mir die Zeit lassen, schaffe ich es gerade noch Cosmo zu mir zu rufen und wir warten gemeinsam am Wegesrand. Da Biker oft in Gruppen auftauchen, muss man auf jeden Fall immer damit rechnen, dass gerade wenn man denkt, es ist überstanden, doch noch einer auftaucht. Dieser ist dann besonders schnell, weil er ja die anderen einholen möchte. Meistens schaffe ich es aber nur noch ihnen ein „Vorsicht, mein junger Hund läuft hier auch noch rum und möchte nicht überfahren werden“ zuzurufen.
Ich kann mir gut vorstehen, dass Mountainbiking auch fernab von ausgewiesenen Strecken Spaß macht, gerade bei uns im Bergischen und ich bin durchaus bereit, mir den Wald mit den Bikern zuu teilen. Doch dieses Verhalten finde ich gefährlich und rücksichtslos. Dass Mountainbiker mittlerweise genauso unbeliebt wie Hundehalter sind, sind sie wirklich selber Schuld.
Mit ein bisschen weniger Tempo vor allem in den Kurven und einer Klingel oder einem kurzen gerufenen „Vorsicht Radfahrer“, würde ich mich viel besser fühlen. Ach ja, und ein kleines „Danke“, wenn wir euch total überhastet den Weg frei machen, damit ihr auch keinen einzigen Stundenkilometer Tempo wegnehmen müsst, wäre auch ganz nett.

Die Jogger
Die zweite Gruppe ist die der Jogger. Jogger sind wahrscheinlich für jeden Hundebesitzer ein rotes Tuch. In diesem Fall haben wir aber keine Angst, dass sie uns oder unsere Hunde über den Haufen rennen. Nein, wir wollen, dass unsere Hunde Jogger ignorieren, damit diese ungestört ihres Weges joggen können. Tun sie das nicht, gibt es meistens Ärger.

Ich bin hier eigentlich auf der Seite der Jogger. Mein Hund soll niemanden stören und niemand soll sich vor meinem Hund fürchten müssen. Aus diesem Grund rufe ich Cosmo immer direkt zu mir, wenn ich einen Jogger sehe und warte mit ihm brav an der Seite. Auch wenn von diesem für uns keine Gefahr ausgeht. Jetzt ist es aber so, dass Jogger, genau wie die Mountainbiker, sich relativ leise fortbewegen. Und aus diesem Grund kommt es manchmal vor, dass ich sie zu spät wahrnehme. Und in ganz seltenen Fällen, wenn es ganz schlecht läuft, stürmt mein Hund bis auf zwei Meter auf die Jogger zu und bellt.
Hier teilt sich dann die Gruppe der Jogger. Die eine Hälfte hat vielleicht selber einen Hund oder ist an sich gelassen. Auf meine wirklich ernstgemeinte Entschuldigung lächeln sie verständnisvoll oder hauchen mir ein „kein Problem, er macht ja nichts böses“ zu. Die andere Hälfte wird richtig sauer. Die haben dann plötzlich auch keine Atemprobleme mehr und reißen sich ihre Kopfhörer vom Kopf. Das sind die, die keine Entschuldigung annehmen, es sind aber auch die, die sich nicht bedanken, wenn ich mit meinem Hund höflich zur Seite gehe und warte bis sie vorbei sind.
Als mir kürzlich eine Joggerin sagte, dass ich mit meinem Hund, der total entspannt neben mir herlief und sich überhaupt nicht für die Joggerin interessierte, auf eine Hundewiese gehen sollte, wenn er keine Leine umhat, ist mir dann aber bei allem Verständnis doch der Kragen geplatzt. Ich schicke Sie doch auch nicht auf den nahegelegenen Sportplatz um zu laufen. Der Wald ist schließlich für alle da.

Liebe Jogger, ihr sollt natürlich ganz ungestört im Wald joggen können. Das ist doch klar. Aber bitte denkt daran, dass schnelle Bewegungen Hunde auch erschrecken können oder ein Jagdverhalten auslösen können. Wenn ihr merkt, dass wir euch nicht gesehen haben, ruft doch mal freundlich „Guten Tag“. Wir grüßen gerne zurück und gehen zur Seite.



Die Wanderer
Die dritte Gruppe sind die Wanderer. Kommen mir Wanderer ohne Hund entgegen, rufe ich Cosmo direkt zu mir. Er muss dann auch in meiner Nähe bleiben, was er auch tut, da er sich sowieso nicht für andere Menschen interessiert. In der Regel ist dies auch kein Problem, es sei denn jemand hat Angst vor Hunden. Auf ein freundliches „Bitte leinen Sie ihren Hund an, ich habe Angst“ würde doch mit Sicherheit jeder Hundebesitzer sofort reagieren. Es ist doch selbstverständlich, dass ich meinen Hund für einen Moment anleine, wenn jemand Angst hat. Kommen mir Kinder entgegen, mache ich das sowieso. Aber nein, oft höre ich „Rufen Sie ihren Köter zurück“ oder „Hier ist Leinenpflicht“ (was nicht stimmt) oder auch Hunde gehören immer an die Leine (was erst recht nicht stimmt).
Als Cosmo kürzlich im Wald, abseits des Weges sein Geschäft machte, wurde ich wutentbrannt von einem wandernden Ehepaar dazu aufgefordert, den Haufen zu entfernen. „Überall diese ekligen Hundehaufen, eine Schweinerei ist das, hörte ich sie noch schimpfen. Von dem Müll, den rücksichtslose Wanderer täglich im Wald lassen, habe ich nichts gesagt. Ich hatte keine Lust.



Andere Hundehalter
Tja, und dann gibt es da natürlich auch noch die anderen Herrchen und Frauchen, die mit ihren Hunden im Wald unterwegs sind. Und auch von denen sind nicht immer alle friedvoll. Wenn sich doch nur alle an so einfache Regeln, wie unangeleinter Hund soll nicht zu angeleintem Hund laufen, halten würden. Warum können wir Menschen uns nicht kurz absprechen bevor wir unsere Hunde aufeinander zustürmen lassen? Was ist daran so schwer? Warum sagt ihr denn nicht, wenn euer Hund nicht verträglich ist? Dann können wir uns darauf einstellen.


Rücksicht und Toleranz
Wenn wir doch nur alle mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden und auf der anderen Seite mehr Toleranz und Verständnis füreinander zeigen würden, dann hat der Wald vielleicht die Chance dass zu bleiben was er für uns Menschen ist. Ein Ort der Ruhe, der Entspannung und des Friedens.











Kommentare:

  1. Ohje, davon kann ich auch ein Lied singen - Inzwischen gehen wir deshalb sogar schon ziemlich ungerne in den Wald, sondern fahren lieber aufs Feld raus, wo man einen Kilometer weit sehen kann, ob ein Jogger, Radfahrer, anderer Hundehalter oder Spaziergänger kommt.
    Ich witzle immer, dass ich für meine Hunde einen Privatwald nur für mich alleine brauche. So scheint das ja irgendwie mit jedem Waldbesucher zu sein: Jeder will den Wald nur für sich. Leider funktioniert das nur nicht so.

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    1. Hallo Genki und Co., ich bin froh, dass ich nicht die einzige bin, die das so sieht. Man muss halt immer sehr vorausschauend sein, wenn man mit dem Hund unterwegs ist.
      Liebe Grüße
      Patricia und Cosmo

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  2. huhu liebe patricia,
    ein großes amen zu deinem text! auch wenn ich bei uns bisher noch nie probleme mit radfahrern hatte und auch jogger (bis auf ein einziges mal) eigentlich eher freundliche genossen sind, kann ich jeden deiner punkte nachvollziehen und genau so unterschreiben. toleranz und rücksichtnahme sind allgemein das, was uns in unserem miteinander fehlt. wir geben uns herzlich mühe, für alle ein gutes vorbild zu sein, aber wenn es mir mal nicht gelingt, möchte ich mir auch nicht tagelang den kopf darüber zerbrechen müssen und angst davor haben müssen, dass mein hund wieder der böse schäferhund ist - auch wir machen mal fehler.
    liebe grüße, kathy

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    1. Liebe Kathy,
      ja, leider dürfen Hunde (besonders Schäfis) ja mittlerweile gar nicht mehr unangenehm auffallen. Das sollte auch mal für manche Menschen gelten ;-)
      Liebe Grüße
      Patricia und Cosmo

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  3. Ich stimme dir in allen Punkten zu. Auch wir müssen leider immer mehr Negativerfahrungen machen :( dabei bin ich wirklich jemand der drauf achtet das meine Hunde niemanden belästigen.

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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  4. Ich stimme dir in allen Punkten zu. Auch wir müssen leider immer mehr Negativerfahrungen machen :( dabei bin ich wirklich jemand der drauf achtet das meine Hunde niemanden belästigen.

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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