Dienstag, 12. Januar 2016

Ein halbes Jahr im Amt oder was macht eigentlich Cosmo?



Nun gehört der kleine Kerl schon seit sechs Monaten zu unserer Familie. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Ich weiß noch genau, als wir ihn nach seiner langen Reise aus Polen abgeholt haben, wie verschüchtert und klein er war und wie begeistert er sich auf sein erstes gekochtes Hühnerfleisch gestürzt hat.

Nie werde ich vergessen, wie lustig er mit seinen riesengroßen Fledermausohren aussah, wie er sich das erste Mal mit seinem neuen Spielzeug aufs Sofa gelegt hat und wie verschreckt er bei seinem ersten Spaziergang war.

Nun ist ein halbes Jahr vergangen und Zeit mal ein Resümee zu ziehen.
Wie hat er sich denn nun entwickelt? Ist er immer noch der zurückhaltende kleine Kerl, dem vieles Angst macht und der sich mit jedem anderen Hund so gut versteht? Ist alles nur Friede, Freude, Eierkuchen oder gab es auch schon Tränen?

Das Alleinbleiben
Hier ist wirklich alles im grünen Bereich. Cosmo hat anfangs geheult, was das Zeug hält, wenn ich auch nur kurz außer Sichtweite war. Er hat sich so aufgeregt, dass ich dachte, dass wird nie was mit dem Alleinebleiben, sah mich schon meinen Job  kündigen oder viel Geld für die Hundetagestätte zu bezahlen. Doch wir haben das super in den Griff bekommen. Wie uns das gelungen ist, könnt ihr hier genauer nachlesen. Heute kann ich in Ruhe meiner Teilzeitbeschäftigung nachgehen oder entspannt mit dem Lieblingsmann ins Kino gehen. Ich weiß sicher,  Cosmo ist ruhig und gelassen alleine zu Hause.

Bürohund
Dieses Projekt ist leider gnadenlos gescheitert. Eigentlich hatte ich vor, Cosmo ein bis zweimal pro Woche mit ins Büro zu nehmen. Ich hätte dann immer etwas länger gearbeitet und hätte dafür an Tagen an denen er zu Hause wäre etwas früher Schluss gemacht. Wie meine vorige Hündin stellte ich mir vor, wie er tiefenentspannt unter meinem Schreibtisch liegt und wir gemeinsam die Mittagspause genießen. 

Cosmo sah die Sache allerdings ganz anders. Arbeiten ist wohl nicht so sein Ding und so hat er alle meine Kollegen angebellt, sobald diese mein Büro betreten haben. Mir war das sowas von peinlich.
Wie zu Hause hat er angeschlagen, sobald jemand geklingelt hat und zur Ruhe gekommen ist er auch nicht wirklich-und ich entsprechend auch nicht.

Natürlich ist das Erziehungssache, vielleicht würde sich Cosmo auch in einer Box sicherer fühlen, vielleicht ginge es auch mittlerweile schon etwas besser. Ich hätte auch gerne noch weiter mit ihm daran gearbeitet, doch aus Rücksicht auf die Kollegen habe ich das Projekt Bürohund vorerst auf Eis gelegt.


Bellen

Als Hundeseele mit ordentlich Schäferhund drin, passt Cosmo ganz schon auf. Das ist uns ehrlich gesagt schon nach kurzer Zeit mächtig auf den Keks gegangen. Egal ob es geschellt hat, ein Auto vor unserem Grundstück eingeparkt worden ist oder Passanten vorbeispaziert sind. Cosmo war der Meinung uns immer Bescheid sagen zu müssen. Ganz schlimm war die Klefferei während wir gegessen haben. Die ganze Familie gemeinsam am Tisch und ich bekomme nichts ab, so ähnlich hat er es sich wohl gedacht.

Auch hier haben wir mächtig Fortschritte gemacht. Mittlerweile bellt Cosmo eigentlich nur noch, wenn es schellt-und das darf er auch. Passanten dürfen ihres Weges gehen und werden nicht mehr laut aufgeregt kläffend über die gesamte Grundstücksgrenze begleitet, fremde Autos dürfen einparken, selbst der Zeitungsmann, der morgens um fünf vor unserer gläsernen und somit durchsichtigen Haustür steht, wird nicht mehr gemeldet. Ich musste da eigentlich gar nicht groß eingreifen. Cosmo ist einfach nicht mehr so nervös und aufgeregt. Wenn er sich gar nicht mehr beruhigen wollte, habe ich ihn auf Anraten meiner Hundetrainerin, an einer Hausleine ganz ruhig auf seinen Platz geführt. Das hat schon nach kurzer Zeit auch noch mal viel gebracht.

Unsere Abendessen können wir im Sommer wohl wieder draußen im Garten einnehmen ohne uns vor den Nachbarn in Grund und Boden zu schämen. Interessant war hier folgendes: zunächst bellte Como nur noch, wenn wir Fleisch gegessen haben, was bei zwei Vegetariern in der Familie glücklicherweise selten vorkommt. Später durften wir dann auch Fleisch essen ohne dass er sich beschwert hat. Mittlerweile ist Cosmo bei jedem Restaurantbesuch dabei.

Sozialverhalten
Cosmo wurde uns als sehr verträglicher Hund beschrieben, der Streit lieber aus dem Weg geht. So ist es glücklicherweise auch immer noch. Bisher haben wir nur einen Hund getroffen, den Cosmo wirklich gar nicht leiden kann. Ansonsten ist er ein sehr aufgeschlossener, verträglicher Hund, der nichts lieber tut als mit seinen Hundekumpels zu toben. An der Leine lässt er sich allerdings nicht mehr einfach so anmotzen. Da schimpft er mächtig zurück.

Passanten
Jogger und Radfahrer werden (meistens) ignoriert. Allerdings gibt es immer wieder Menschen, die wohl aus Cosmos Sicht bedrohlich wirken. Männer mit sehr dunkler oder sehr heller Kleidung, ältere Herrschaften am Rollator oder Nordic Walker mit langen Stöcken. Diese werden dann auch angebellt im schlimmsten Fall auch angesprungen. Hier haben wir eine ernstzunehmende  Baustelle.

Grundgehorsam
Super! Innerhalb von kürzester Zeit hat der junge Mann die gängigen Grundkommandos gelernt. Sitz, Patz, Bleib, Halt, Such, Guck, Nimms dir, etc.. Ich würde sagen, dafür bekommt er eine glatte eins.

Laufen ohne Leine
Da muss jetzt leider erstmal die Schleppleine dran L. Cosmo konnte ich ja schon nach zwei Wochen ableinen. Er ist mir nicht weggelaufen und Mensch und Hund immer aus dem Weg gegangen. Absolut angenehm. Er ist auch zuverlässig auf mein „zu mir“ gekommen. 

Mit Einsetzen der Pubertät und zunehmendem Selbstbewußtsein hat sich das allerdings drastisch geändert. Cosmo rennt zu jedem Hund hin, manchmal auch zu fremden Leuten. Seinen Namen kennt er dann leider nicht mehr. Schade, ich hatte gehofft, der junge Mann gehört zu der Sorte Hund, die man Bedenkenlos ohne Leine lassen kann ohne großartiges Training.

Für nächstes Wochenende haben wir ein Rückrufseminar gebucht. Und parallel dazu üben wir jetzt an der Schleppleine.



Hundeschule
Yep, wir sind dabei. Ist doch klar, oder? Weil Cosmo schon so viel konnte, haben wir sogar die erste Klasse übersprungen. Warum ich eine Hundeschule so wichtig finde und was wir dort lernen, könnt ihr demnächst ausführlicher lesen.

Angst
Cosmo hatte anfangs Angst vor sagen wir mal, sehr sehr vielen Dingen. Motorrädern am Wegesrand, Fahnen, Schildern, Bushaltestellen, manchen Menschen, tiefen Stimmen, etc.. Ich habe ihm sehr viel Zeit gelassen. Er durfte anfangs um alles einen großen Bogen laufen. Später bin ich dann mal alleine zu den unheimlichen Dingen hingegangen und er konnte etwas Abstand halten. Mittlerweile ist das alles kein Thema mehr. Ab und an fürchtet er sich noch vor z.B. flatterndem Absperrband oder großen Müllkontainern, die im Dunkeln wie fürchterliche Monster aussehen. Ansonsten finde ich, geht er schon sehr souverän durchs Leben.

Cosmo und die Katzen
Cosmo muss sich sein zu Hause mit zwei Katern teilen. Pawel und Titus. Während Pawel ein sehr scheuer zurückhaltender Kater ist, ist Titus ein richtiger sage wir mal „Proll“. Entsprechend zieht Pawel es vor, sich tagsüber in den oberen Stockwerken, da wo der Hund nicht hinkommt aufzuhalten. 

Titus dagegen sieht das gar nicht ein und versucht seit Cosmos Einzug seinen Platz auf dem Sofa zu verteidigen. Mittlerweile ist ihm das auch ganz gut gelungen. Die Katzenjagd haben wir konsequent unterbunden. Sollte Cosmo doch mal Fahrt aufnehmen, greifen wir ein. Titus zeigt im parallel dazu die Krallen. Es ist noch nicht optimal, aber hat Aussicht auf Erfolg. Vor allem Pawel müssen wir noch integrieren.

Ihr seht, wir haben in sechs Monaten so einiges geschafft. Und da bin ich mächtig stolz drauf. Aber es haben sich auch Baustellen aufgetan, mit denen ich nie gerechnet habe und daran müssen wir nun arbeiten. Aber mal ganz ehrlich, gäbe es nichts zu tun, wäre es doch auch langweilig, oder?






1 Kommentar:

  1. Ich bin beeindruckt - in den letzten Monaten hat sich echt viel getan.
    Das es mit dem Bürohundejob nicht auf Anhieb geklappt hat ist natürlich wirklich schade ... aber ganz vom Tisch ist es ja wohl noch nicht :) Bei Cara war es am Anfang ja auch so - und für die Kollegen eine ziemliche Umstellung, denn Laika hat so gut wie nie gebellt und Damon ist eh friedlich und ruhig! Aber für Cara war es wichtig eine Grenze zu schaffen - einen Ort an dem sie sich ganz sicher fühlt. Das bedeutete hinter mir und hinter Gittern (im Laufstall mit Öffnung) - dort konnte sie sein, ohne dass jemand sie beachtet hat und ich war immer der Puffer zwischen ihr und den Kollegen. So hat es sich nach einigen Wochen gut eingependelt und mittlerweile liegt sie sehr entspannt überall im Büro - aber manchmal wird ein zu forscher Kollege doch noch angebellt.
    Auch die Kollegen haben viel mitgearbeitet - sei es im Ignorieren, dann im Füttern bei Bedarf und bei Spieleinlagen mit Ball :)

    Ich wünsche euch weiterhin viele schöne gemeinsame Erlebnisse und hoffe, euer Rückruf-Seminar ist ein Erfolg.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

    AntwortenLöschen