Freitag, 23. September 2016

Frau Holle liest: Hundetraining leicht gemacht von Anja Mack und Kirsten Wolf



Ratgeber zur Hundeerziehung gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer. Doch genau wie bei den vielen Hundetrainern sind nur die wenigsten zu gebrauchen. Ob dieser neue Ratgeber hält was er verspricht?


Was mir nicht so gut gefallen hat
Den Titel „Hundetraining leicht gemacht“ finde ich ehrlich gesagt etwas platt. Es klingt so nach Steuerklärung, Autor eparieren oder Englisch lernen. Doch Hunde sind doch Lebewesen und Hundetraining muss doch gar nicht leicht sein. Vielmehr braucht es unsere ganze Leidenschaft, viel Herzenseinsatz und Verständnis. Und das ist doch auch gut so.  Oder haben Sie schon mal ein Buch mit dem Titel Kindereziehung leicht gemacht gelesen? Außerdem geht es in dem Buch nicht um Training sondern um Erziehung. Den Untertitel „Alltagsprobleme erfolgreich meistern“ finde ich dagegen sehr viel treffender. Denn genau darum geht es in dem Buch. Um die Herausforderungen, denen sich unsere Hunde und wir täglich stellen müssen. „erfolgreich meistern“ finde ich außerdem positiv und motivierend. 

Im Vorwort bin ich gleich wieder über eine Formulierung gestoßen. „Und als Hundehalter haben Sie es in der Hand, ob Ihr Hund ruhig oder eher gestresst durchs Leben geht, ob er Sie selbst, andere Menschen oder die eigenen Artgenossen durch aggressives Verhalten beeinträchtigt, ob ihn Ängste quälen, ob er sich von Ihnen anleiten und lenken lässt oder zu selbstständig eigene Wege geht.“ (S.7)
Natürlich ist es absolut richtig, dass wir auf die Gefühlslage unserer Hunde Einfluss nehmen können, dass sich unsere Stimmung auf den Hund überträgt und dass wir am besten immer selbstsichere und gelassene Begleiter für unsere Hunde sind, damit sie es auch sein können. Schließlich soll sich der Hund an uns orientieren und sich durch uns sicher fühlen. Doch in Zeiten in denen (glücklicherweise) immer mehr Hunde aus dem Tierschutz Einzug in unsere Familien halten, finde ich diese Aussage nicht mehr allgemeingültig. Viele Hundebesitzer stehen auf einmal da, mit einem Hund mit ungeklärter Vergangenheit, der plötzlich Auffälligkeiten zeigt. Und die allermeisten Hundehalter die ich kenne sind bereit, geduldig daran zu arbeiten. Aber müssen Sie sich dann noch anhören, dass es ihre Schuld ist, wenn der Hund unverträglich, ängstlich oder aggressiv ist?

Was mir gut gefallen hat
Ich bin ein großer Fan von körpersprachlicher Kommunikation mit dem Hund. Daher habe ich mich gefreut, dass die Autorinnen, wenn auch nur kurz, darauf eingehen, wie wir unsere Hunde körpersprachlich führen können. 

Die Grundregeln für das Zusammenleben mit dem Hund für drinnen und draußen, waren mir zwar nicht neu und entsprechen im Wesentlichen dem Basistraining, welches ich schon aus verschiedenen Hundebüchern und der Hundeschule kenne. Trotzdem fand ich es wichtig, diese noch mal zu lesen und mein Wissen aufzufrischen. Es sind ja so einfache Dinge, die man dann aber auch schnell wieder vergisst. Gut fand ich, dass die Autorinnen durchaus auch mal Ausnahmen zulassen und nicht so strikt jedes Programm für jeden Hund abspulen. Ein Hund, der sich gut benimmt, darf z.B. auf Einladung einen Platz auf dem Sofa einnehmen und Herrchen oder Frauchen dürfen bei einem Hund, der nicht aufdringlich ist, auch mal auf eine Spielaufforderung eingehen, die vom Hund aus geht.
Ebenfalls positiv fand ich den kurzen Ausflug zum Thema Grenzen setzen. Leckerchen und Wattebäuschchen werfen funktionieren eben nicht, wenn der Hund den Nachbarn verbellt oder Jogger jagen will. 

Es folgt das Kapitel Strategien im Alltag mit wirklich ganz einfachen aber sehr wirkungsvollen Tipps wie Bogen laufen, Distanz vergrößern, eine eigene Gelassenheit entwickeln und eine Übung mit der man die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich lenken kann bevor es brenzlig wird. „Mit den Basisstrategien wird Ihr Vierbeiniger Begleiter gelassener und selbstsicherer.“ (S. 33), sagen die Autoren, was ich nur bestätigen kann.  Das Trainingsziel beschreiben die Autoren wie folgt: „Mit den Trainingsstrategien bieten Sie Ihrem Hund die Möglichkeit, auch in stressigen und komplexen Sitaution gelassen zu bleiben.“  Das wünscht sich ja wohl jeder Hundehalter und ich finde mit diesem Ziel vor Augen lässt es sich gleich viel besser trainieren. 

Das zweite Kapitel „Praxishelfer für den Alltag“ beschäftigt sich mit häufig auftretenden Verhaltensproblemen und hier kann man eben genau das nachlesen, was man verbessern möchte. Die Auswahl der angesprochenen störenden Verhaltensweisen ist groß. Vom Ziehen an der Leine, betteln am Tisch, Anspringen von Menschen, Jagdverhalten, Leinenagressivität oder verbellen von Besuchern ist eigentlich alles dabei, was häufig an Problemen auftritt und was man seinem Hund gerne abgewöhnen möchte.  Hierzu geben die Autorinnen ganz konkrete Handlungshinweise, wie man mit dem Problem umgehen kann. Ich persönlich fand viele Tipps wirklich hilfreich, manche dagegen konnte ich aber überhaupt nicht nachvollziehen. Für mich macht es z.B. keinen Sinn, einen Hund der am Gartenzaun bellt zur Strafe 15 Minuten in ein Zimmer zu sperren und danach noch 30 Minuten zu ignorieren. Das widerspricht allem, was ich bisher zum Lernverhalten des Hundes gelesen habe. 

Mein persönliches Fazit
„Hundeerziehung leicht gemacht“ beinhaltet viele hilfreiche Tipps um den gängigen großen und kleinen Macken, die unsere Vierbeiner zeigen können entgegenzuwirken. Welche man davon befolgt, muss jeder selber entscheiden. Wichtig ist, dass man dahinter steht. Aber so ist es ja in der Hundeschule auch. Ohne mit den berühmten Wattebäuschchen zu werfen basieren die Handlungsanregungen auf positiver Verstärkung. Doch wird hier auch das wichtige Thema Grenzen setzten angesprochen. Besonders für frischgebackene Frauchen und Herrchen kann ich das Buch  empfehlen.

Die Autorinnen
Anja Mack studierte Tiermedizin und leitet die Hundeschule Lucky Dogs in München. Bereits während ihres Studiums beschäftigte sich mit dem Verhalten von Hunden. Auf ihren vielfältigen Erfahrungen mit fremden und ihren sechs eigenen Hunden entwickelte sie einen individuellen Trainingsaufbau, mit dem Hundehalter gezielt auf problematisches Verhalten ihrer Vierbeiner reagieren können.

Kirsten Wolf ist freie Journalistin und Hundehalterin. Sie schreibt regelmäßig Fachartikel über das Verhältnis von Mensch und Tier. In verschiedenen Büchern zeigt sie Wege auf, wie sich Probleme im Miteinander von Mensch und Hund stressfrei lösen lassen.

Das Buch
Hundetraining leicht gemacht ist 2016 im Gräfe und Unzer (GU) Verlag als Hardcover erschienen und kostet 12,99 Euro.  
128 Seiten, ISBN: 97838338517,Hardcover

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!






1 Kommentar:

  1. Ein schöner Überblick, vielen Dank! Was ich an all diesen Erziehungsratgebern vermisse, ist ein echter Übungsplan, strukturierte Hausaufgaben. Vielleicht ist es bei so einem allumfassenden Buch nicht möglich, aber wenn es etwa nur um Leinenführigkeit, Anti-Staubsauger-Training oder Rückruftraining geht, wäre es toll, wenn man Schritt für Schritt an die Hand genommen wird. "Mach das, bis es sitzt. Jeden Tag 3x 10 Minuten üben. Dazu 1x am Tag Übung zwei, 2x die Woche Übung drei. Je nachdem 2 - 4 Wochen lang. Gehe dann zu Übung vier ..."

    Ich hätte gern einen richtigen Plan, der mich diszipliniert, mit dem Hund bestimmte Dinge zu tun. Ich will nicht hundert Tipps und Übungen auf einmal. Mich überfordert es regelmäßig, solche Bücher zu lesen, denn am Ende bleiben 1-2 Tipps und Erkenntnisse übrig, aber kein strukturiertes Training. Ich werde uns jetzt einen Trainingsplan schreiben, so wie es Diätpläne, Fitnesspläne, Marathonpläne gibt. Schade, dass einem die Bücher so wenig dabei helfen.

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