Freitag, 16. Juni 2017

Frau Holle liest: Bailey-Ein Freund fürs Leben von Bruce Cameron

Was passiert, wenn eine Hundeseele in verschiedenen Hundekörpern wiedergeboren wird? Bailey ist genau das passiert. 


Zum Inhalt
In seinem ersten Leben wird Bailey als Streuner geboren. Zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern und vernab von Menschen schlägt sich die kleine Hundefamilie selber durch. Bis sie in die Obhut der netten "Senora" kommen, die eine kleine pirvate Hundeauffangstation betreibt und herrenlosen Straßenhunden ein besseres Leben bieten will.

Hier fügt sich Bailey in ein großes Rudel ein, verliebt sich in die bezaubernde Coco und lernt,sich dem Leithund Rotti unterzuorden. Er findet seine Stellung im Rudel und eigentlich geht es ihm richtig gut, bis der böse Spikey auftaucht und die friedliche Rudelstruktur auseinanderbricht. Als die "Senora" auch noch gezwungen wird, ihre Hundeauffangstation zu schließen, nimmt das  Schicksal seinen Lauf. Bailey landet in einer Tötungsstation und teilt das traurige Schicksal vieler Straßenhunde, er wird vergast. 😭

In seinem zweiten Leben erinnert sich der kleine Welpe an sein unabhängiges Leben als Streuner und den Duft der Freiheit. So flieht er wenige Wochen nach seiner Geburt aus einem lieblosen Vermehrerzwinger und landet schließlich bei dem 9jährigen Ethan "seinem Jungen". Die beiden gehen zusammen durch dick und dünn und Bailey darf ein sorgloses Leben als behüteter und geliebter Familienhund führen. Gemeinsame Sommer bei Grandma und Grandpa auf dem Land, viele zwei und vierbeinige Freunde und ein sicheres Zuhause. So begleitet Bailey "seinen Jungen" durch die Kindheit. Er ist an seiner Seite als sein Junge sich zum ersten Mal verliebt, als er die Highschool beendet und bei all seinen Footballspielen sitzt er am Spielfeldrand und schaut zu. Und Bailey hatte eine Aufgabe, "seine wichtigste Aufgabe im Leben" (S. 160) war es, seinen Jungen zu beschützen und glücklich zu machen. Als er in hohem Hundealter im Kreise seiner Familie einschläftert, hat er seine Mission erfüllt-denkt er zumindest.

Um so überrraschter ist Bailey als er ein weiteres Mal als Welpe erwacht. Und als wäre das nicht genug, wird er zu seiner Schande auch noch als Hündin geboren. Beschenkt mit den Erfahrungen aus seinen früheren Leben fällt der kleine Welpe einem Polizisten auf, der ihn als Suchhund ausbildet.  So manchem Menschen rettet der tapfere Hund das Leben, er liebt seine  "Arbeit",und stirbt nach einem langen Leben als glücklicher Hund. Seinen Freund "den Jungen", hat er allerdings nie vergessen.

Sehr erstaunt und nicht gerade glücklich erblickt Bailey zum vierten Mal das Licht der Welt. Hat er seine Aufgaben denn nicht endlich erfüllt. Was soll er denn nun noch machen? Zunächst kommt er als unbedachtes Geschenk zu einer mit ihm völlig überforderten Frau. Diese bringt ihn auf einem Trailerpark unter wo er eine unglückliche Zeit an der Ketter verbringen muss bis er schließlich ausgesetzt wird. Und dann passiert das ungeheuerliche. Bailey kennt sich aus, er erinnert sich und findet schließlich Ethan "seinen Jungen" wieder. Dieser ist inzwischen ein alter einsamer Mann geworden. Endlich versteht Bailey, warum er ein weiteres Mal geboren wurde. Er muss seinen Jungen glücklich machen. Und  Bailey weiß genau was zu tun ist...

Persönliche Meinung
Nachdem wir den Kinofilm ja alle nicht gesehen haben, weil während des Drehs Deutsche Schäferhunde zu verschiedenen Stunts gezwungen worden sein.sollen und mehrere Tierschutzorganisationen zum Boykott des Films aufgerufen haben, habe ich wenigstens das Buch gelesen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Autor beim Schreiben seines Romans, welcher sich auch inhaltlich deutlich vom Film unterscheidet, wie ich gehört habe, keine Hunde gequält, genötigt oder geärgert hat. Und ausserdem ist Lesen ist ja sowieso viel schöner als Filme gucken.

Als ich mit dem Lesen des Buches begonnen habe, habe ich mich ein bisschen gefühlt wie als Kind beim Bambi gucken (der Zeichentrickfilm von Walt Disney, für die jüngeren unter euch, nicht die Verleihung des Filmpreises). Ich wusste, es folgt eine schöne Geschichte mit herzzerreißenden Momenten und vielen Tränen. Dieses mumlige Gefühl war allerdings (fast) unbegründet. Zugegeben ein Tränchen kullerten schon an so mancher Stelle, doch im Großen und Ganzen ist es dem Autor gelungen, Baileys Geschichte immer sehr positiv zu erzählen. Und das hat mir schon mal sehr gut gefallen. Selbst den Tod und das Sterben hat der Autor aus Hundesicht als friedlich und erlösend dargestellt hat.

Ich fand es toll, ein bzw. mehrere Hundeleben mal aus Hundesicht zu erleben. Und wie unterschiedlich ein Hundeleben doch sein kann. Familienhund, Streuner oder berufstätiger Hund bei der Polizei, auch für unsere Vierbeinigen Freunde gibt es mehrere Lebensentwürfe. Nur dass sie sie selbst kaum beeinflussen können. Wir Menschen bestimmen, was der Hund für ein Leben führt."..langsam begriff ich, dass das Leben viel komplizierter war..... Auch dass es letztenendes von Menschen bestimmt wurde und nicht von Hunden." (S. 135)

 Dass der Autor sich offensichtlich auf dem Gebiet der hündischen Kommunikation/Verhaltensweisen und den Geflogenheiten eines Hunderudels schlau gemacht hat, kommt dem Buch ebenfalls zu Gute und macht das Lesen zu einem noch größeren Vergnügen. Besonders die Beschreibungen zum Rudelverhalten aus der Sicht des kleinen Welpen haben mir sehr gut gefallen. Schön war auch zu erleben, wie aus dem kleinen schüchternen Bailiey von Leben zu Leben ein selbstbewußter und erfahrener Hund wird. Man Hund lernt eben dazu. Denn Bailey erinnert sich an seine frührere Leben und ist sich seinen Wiedergeburten bewußt. "Da kam mir schlagartig zu Bewußtsein, dass ich wieder ein Welpe war" (S. 194). Und manche Dinge wiederholen sich in jedem Hundeleben. Jedesmal muss Bailey zu einem" freundlichen Mann" auf einen "kühlen Tisch" auf dem er einschläft und jedes Mal wacht er mit einem "albernen Kragen" um den Hals und einem unangenehmen Brennen zwischen den Beinen wieder auf.

Wer übrigens ,wie ich, in der Danksagung am Ende des Buches eine klebrig schwülstige Hommage an einen längst verstorbenen Hund erwartet, der wartet vergebens, aber nicht umsonst. Stattdessen zieht der Autor nämlich den Hut vor den vielen Männern und Frauen, die im Tierschutz arme, herrenlose Hunde retten und ihnen helfen ein neues Zuhause zu finden.

Zusammenfassend kann ich sagen: Baileys Geschichte geht ans Herz. Sie ist lustig, rührend, manchmal traurig aber immer positiv. Ich kann das Buch nur jedem Hundefreund wärmstens empfehlen. Nach dem Lesen werdet ihr euren Hund noch mehr lieben. Glaubt mir!

Der Autor
W. Bruce Cameron, Jahrgang 1960, ist als Kolumnist und Autor international bekannt. Seine Kolumne zur Erziehung von Teenagern diente sogar als Vorlage für die TV-Serie "Meine wilden Töchter". Von Bruce Cameron sind außerdem erschienen: "Weihnachten auf vier Pfoten" (2014) und "Ich bleibe bei dir" (2013). Der Roman Bailey ist bereits 2011 unter dem Titel "Ich gehöre zu dir" erschienen und wurde direkt ein Bestseller.

Das Buch
Der Roman ist am 09.01.2017 unter der ISBN: 978-3-453-50401-1 als Taschenbuch (352 Seiten) im Heyne Verlag erschienen und kostet 9,99 Euro. Für den kindle gibt es Bailey für 7,99 Euro.
Kaufen könnt ihr das Buch direkt hier.










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